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Was hat meine Mutter mit meiner Sexualität zu tun?
Ein Artikel von Regina Heckert

Mutter und Kind Vergangenheit

Dieser Artikel wurde im Magazin "Einfach Ja" veröffentlicht. Das Schwerpunktthema des Heftes hieß "Sehnsucht nach Genuss und Heilung in der Sexualität". Regina Heckert hat gerne einen Beitrag dazu geleistet. Ursachen sexueller Schwierigkeiten kann sie nach mehr als dreißig Jahren Arbeit mit Menschen auf unterschiedlichen Ebenen orten.

Kaum jemand weiß, wie sehr die frühe Kindheit und die Bindung an die Mutter die Liebesfähigkeit und die Sexualität beeinflussen kann. Besonders die für das Lieben so wichtigen Fähigkeiten des Gebens und Nehmens können schon sehr früh aus dem Lot geraten oder verkümmern. Manchmal kann ein Mensch nur eines von beiden. Das stört natürlich die Liebesbeziehung oder führt sogar zum Scheitern.

In diesem Artikel beschreibt Regina Heckert auch eigene Erfahrungen und wie sie Heilung alter, tiefer Wunden erfahren hat, die durch frühkindliche Bindungsstörungen zur Mutter ausgelöst waren.

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Was hat meine Mutter mit meiner Sexualität zu tun?

Die Beziehung zur Mutter ist die erste und in der Regel wichtigste Liebeserfahrung eines Menschen. Ist sie gelungen, geht das Kind gestillt und satt in sein Leben. Als Erwachsener kann es dann sowohl nehmen als auch geben, und zwar aus einem Gefühl der Fülle heraus. Die meisten Menschen haben jedoch keine so runde Urerfahrung des Liebens vorzuweisen. Sowohl eine Frau als auch ein Mann mit einer kindlichen Mangelerfahrung können in die Falle schlittern, den Partner oder die Partnerin nachträglich als „Mutter“ zu missbrauchen. Sowohl ein übertriebenes Zärtlichkeitsbedürfnis ohne sexuellen  Wunsch (oft bei der Frau) als auch eine sexuelle Unersättlichkeit (Es ist nie genug), inszenieren immer wieder auf´s neue die nach Heilung und Erlösung rufende Urwunde des Liebens.

Mit fast allen Männern kam ich nach der Phase der Verliebtheit an den gleichen Punkt: Mein Bedürfnis nach Sexualität oder Zärtlichkeit schien unersättlich. Immer wieder überrollte mich das Gefühl, zu kurz zu kommen und ich zerrte am Partner herum, um endlich „satt zu werden“.  Dadurch zog sich früher oder später jeder Mann zurück, der in den Honeymoonzeiten die Verheißung allergrößten Glücks zu sein schien.

„Es reicht, wenn in einer Beziehung sich einer ändert!“ hatte mir schon vor Jahren ein Paartherapeut eindringlich zu verstehen gegeben. Nach mehreren gescheiterten Beziehungen war ich endlich bereit,  dieses Experiment zu wagen.

Anstatt Schuld zuzuweisen, begann ich zu beobachten, was in mir geschah, wenn nach einem erneuten Fordern-Verweigern-Wettkampf mein wütender Partner die Tür knallte und im nächstbesten Kino untertauchte. Ich warf mich weinend auf mein Bett, zitterte, fror und schluchzte erbärmlich. Keine Wärmeflasche der Welt konnte für Abhilfe sorgen. Was mich dabei wunderte, war, dass ich aus meinem tiefsten Inneren jedesmal den Schrei „Mutti, Mutti, wo bist Du?“ vernahm. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Szene, frierend und alleingelassen im Bett zu verzweifeln, als erwachsene Frau reinszenierte.

In der Fachsprache sagt man, dass ich als Kind eine unterbrochene Hinbewegung zur Mutter erlebt habe. Als zwei Monate altes Baby lag ich Nächtelang halb erfroren, aufgestrampelt und nass verpinkelt in meinem Bettchen. Mein Vater wollte das Kind richtig erziehen und ließ meiner Mutter nicht zu mir. Nach mehreren Nächten bekam ich eine Lungenentzündung. Sechs Wochen lang schwebte ich zwischen Leben und Tod. Meine Eltern durften mich keine Minute alleine lassen, denn jeder Hustenanfall hätte mein Ende sein können.

Bei einer unterbrochenen Hinbewegung wird das Urvertrauen und die Bindungsfähigkeit erschüttert, wenn nicht sogar komplett zerstört. Sie kann u.a. auf die oben beschriebene Weise geschehen, aber auch durch eine Trennung von Mutter und Kind im frühen Kindesalter (zum Beispiel durch einen Krankenhausaufenthalt). Auch wenn die Mutter das Kind ablehnt, oder das Geschlecht des Kindes (sie hätte vielleicht lieber ein Mädchen oder einen Jungen gehabt), oder ein anderes Geschwisterkind bevorzugt, kann sich das Kind ebenfalls vernachlässigt fühlen. Ist eine Mutter völlig überfordert,  zieht sich das Kind manchmal auch aus Liebe von selbst zurück und verzichtet freiwillig auf die eh nicht vorhandene Mutterliebe.

Die meisten Kinder verschließen in solchen Situationen vor Schreck ihr Herz, um dem unsäglichen Schmerz  der Trennung und des Verlorenseins zu entkommen. „Ich schaffe alles alleine! Ich brauche nichts!“ kann dabei zu einem fest eingravierten Lebensmuster werden. Sie können später kaum etwas annehmen, wirken souverän, fühlen sich groß und stark und helfen als die „Überlegenen“ gerne anderen. Was sie kaum (mehr) können, ist, selbst Liebe, und Zuwendung annehmen und auch mal klein und bedürftig sein – sich also von Herzen lieben zu lassen. Stattdessen opfern sie sich manchmal bis zur Erschöpfung für andere oder im Beruf auf.

 

Unbewusst verhindern sie dadurch genau das, was sie sich am meisten ersehnen. Sie zerstören vielleicht sogar unwissentlich eine Liebesbeziehung nach der anderen. Oder sie überfordern den Partner, indem sie die unerfüllt gebliebenen Bedürfnisse von ihm einklagen. Dazu scheinen körperliche Nähe und Sexualität sich als Kampfarena bestens zu eignen.

Die Beziehung zur Mutter ist die erste und in der Regel wichtigste Liebeserfahrung eines Menschen. Ist sie gelungen, geht das Kind gestillt und satt in sein Leben. Als Erwachsener kann es dann sowohl nehmen als auch geben, und zwar aus einem Gefühl der Fülle heraus. Die meisten Menschen haben jedoch keine so runde Urerfahrung des Liebens vorzuweisen.

Sowohl eine Frau als auch ein Mann mit einer kindlichen Mangelerfahrung können in die Falle schlittern, den Partner oder die Partnerin nachträglich als „Mutter“ zu missbrauchen. Sowohl ein übertriebenes Zärtlichkeitsbedürfnis ohne sexuellen  Wunsch (oft bei der Frau) als auch eine sexuelle Unersättlichkeit (Es ist nie genug), inszenieren immer wieder auf´s neue die nach Heilung und Erlösung rufende Urwunde des Liebens.

In Seminaren sieht man immer wieder, dass es sowohl für Frauen als auch für Männer sehr schwer ist, den Weg hin zur Mutter Schritt für Schritt und vor allem fühlend zu beschreiten. Manche sind der Mutter bitterböse und haben sich abgewendet. So bleiben sie unerlöst und in der Vergangenheit gefangen. Die Wunde zu heilen, und damit wieder voll liebesfähig zu werden, ist eine Leistung, die jeder selbst erbringen muss. Ein Mutterheilritual - egal ob sie noch lebt oder schon verstorben ist – kann helfen. Dabei muss manchmal auch der schwere Riss einer unterbrochenen Hinbewegung aus eigener Kraft überwunden werden. Wo die Anbindung an die Mutter jedoch wieder oder erstmals gelingt, fließt auf einmal all die Liebe ins eigene Herz, die seit Kindheitstagen (oder seit Generationen) eingefroren war. Das verschlossene oder sogar versteinerte Herz beginnt zu schmelzen. Die Paarliebe und eine vom Habenwollen bereinigte Sexualität dürfen endlich erblühen.

Ob die Mutterbeziehung geheilt ist, kann man leicht erkennen: Anstatt Überheblichkeit und Urteil der Mutter gegenüber fühlt man nun Respekt und Dankbarkeit. Das gelingt durch eine neue Sicht und ein erweitertes Bild auf die Mutter und auf das ganze dahinter wirkende Familiensystem.

Die Liebesbeziehung und die Sexualität gelingen, wenn beide Partner gleichermaßen nehmen und geben können, wenn jeder begehrt und jeder gewährt. Es lohnt sich, den Weg dorthin freizuschaufeln. Mit meinen Seminaren trage ich gerne dazu bei. 
(Artikel von Regina Heckert, Februar 2019)

Info:

Das nächste Mutterheilritual findet im Rahmen unseres BeFree Tantra Osterseminars > statt.

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