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Ja zum Körper sagen

Das Ausziehritual
Das Ende des Versteckspiels ist der Anfang wirklicher Liebe

Frau und Mann verbergen aus Angst und Scham vieles voreinander. Bei Frauen sind es vorwiegend körperliche Unzulänglichkeiten, die Scham und das Gefühl, nicht gut genug zu sein, erwecken. Sind die Brüste zu klein, zu groß, zu schlaff? Hängt der Bauch herunter? Orangenhaut und Dellenpo, wabbelige Beine, Körperbehaarung, zu dünne Haare, zu lange Nase, zu kleiner Mund, krumme Füße – das Sortiment weiblicher Kritik am eigenen Körper scheint unüberblickbar. Während des Liebesspiels sind daher viele Frauen immer wieder damit beschäftigt, sich so in Szene zu setzen, dass die ungeliebte Körperstelle nicht gerade zum Blickfang wird. Kann ein Liebesspiel erfüllend sein, wenn eine Frau die ganze Zeit den Bauch einzieht? Kaum ein Mann würde auf Sex verzichten, weil er einen Wohlstandsbauch bekommen hat. Generell sind dem Mann seine körperlichen Details nicht so wichtig. Für ihn gibt es eher andere Themen, wie die Größe seines Penis und besonders dessen Standfestigkeit. Erektionsprobleme und Angst vor vorzeitigem Samenerguss können ihn genau so vom Liebesspiel ablenken, wie die Angst vor körperlicher Unzulänglichkeit die Frau in den Bann zieht. Auch die Angst vor Verlust oder Beeinträchtigung der männlichen Potenz mit zunehmendem Alter spielt eine Rolle. Werden alle Versteckspiele ans Licht gebracht und miteinander geteilt, kann die lästige Nebenwirkung der Sexualität sich in Luft auflösen oder integriert werden. Dann beginnt die Wirklichkeit, schlicht und einfach, und doch tief und nah. Wo Angst und Verstecken einer neuen Offenheit Platz machen, beginnt die wirkliche Liebe – die Liebe, die wirkt.

Dabei werden gerade die Körperstellen in den Blick genommen, die abgelehnt sind oder mit Scham behaftet, die man unschön findet oder die von Geburt an oder durch Krankheit nicht mehr „normal“ sind. Das ist die äußere Ebene des Rituals.

Für viele Menschen ist dieser Teil schon sehr schwierig. Wer das Ritual noch tiefer ausloten möchte, kann auch über innere Vorgänge sprechen, die sonst verborgen sind, wie zum Beispiel Orgasmusschwierigkeiten, Angst vor Erektionsverlust etc. Insofern wird nicht nur der Körper entblößt, sondern der ganze Mensch zeigt sich (auch innerlich) so nackt, wie es ihm möglich ist. Wer seine „Wunden“ zeigt, öffnet das Tor zu Liebe und wirklicher Annahme. Dann geschieht Heilung jenseits des Körpers. Der Körper weist nur den Weg dahin. Wer über die vorher verborgenen Ängste jetzt spricht und sich in seiner Verletzlichkeit zeigt, kann Wunder erfahren. Manchmal erwächst aus dem Ritual die Kraft zur Veränderung. Hat jemand zum Beispiel erhebliches Übergewicht, zeigt sich so und erfährt liebevolle Annahme, so kann auch die eigene Zustimmung zu einer

verändernden Kraft werden. Entweder wird das Übergewicht jetzt akzeptiert oder aus Liebe zu sich selbst das Abnehmen in Gang gesetzt. Das Ritual geht über das Urteilen oder Beurteilen hinaus. Durch den Mut zur Wahrheit des Körpers öffnet sich das Herz für einen ganz neuen Blick und Sie lernen, sich mehr zu lieben und anzunehmen, so wie sie sind.

Beispiele aus konkreter Erfahrung

Eine Seminarteilnehmerin berichtet, dass sie schon seit ihrer Pubertät den Bauch einzieht. Und zwar den ganzen Tag über und besonders beim Liebesspiel. Wenn sie jetzt entspannt in den Bauch atmen und ihn loslassen will, weiß sie gar nicht mehr wie das geht. Die Anspannung ist zu einer festen Verspannung geworden und fühlt sich „normal“ an. Sie kann den Bauch (und sich selbst) einfach nicht mehr gelöst erfahren. Nach dem Ritual legen sich vier liebende Frauenhände auf den zum Korsett gewordenen Bauch. Vorsichtig atmet sie zu den liebevollen Händen hin, zuerst verkrampft und flach, dann immer tiefer. Ich ermuntere sie, einfach aufzugeben. Es ist wie ein Tod. Sie beginnt zu zittern und dann weint sie einen lang angestauten Schmerz heraus.

So gerne wäre sie geliebt worden, genau so wie sie war. Wieviel Angst steckt im Jahrzehnte langen Festhalten. Erst nach einer ganzen Weile des Atmens und Haltens und Weinens wird es ein bisschen weicher um den Bauch. Der Anfang ist gemacht. Weitere liebende Berührungen, auch von ihrem Partner werden ihr helfen, wieder ganz natürlich zu werden.

Eine Frau findet ihre Brüste unansehnlich. Schon vor der Stillzeit ihrer Kinder seien sie nicht besonders schön gewesen. Nach dem Stillen waren es dann nur noch faltige Hautsäcke. Beim Sex habe sie durch alle möglichen Aktivitäten immer abgelenkt, so dass ihre Brüste auch kaum Berührung erfahren haben. Seit dem ersten Ausziehritual im Kreis der Frauen habe sie Mut gefasst und bei sexuellen Begegnungen mit Männern darum gebeten, dass diese ihre ungeliebten Brüste halten und streicheln. „Ich bin es leid, meine Brüste zu verstecken. Ich finde sie ganz hässlich. Ich möchte das nicht mehr tun. Und ich würde mich sehr freuen, wenn du mich da besonders liebevoll berührst. Und es fällt mir sehr schwer, weil es mir so peinlich ist, mich an einer Stelle anschauen zu lassen, wo ich mich selber so ablehne.“

Jeder Mann, mit dem sie zusammen war, hat ihren Wunsch erfüllt. Das war sehr bewegend und hat bei ihr viele gestaute Tränen gelöst.. „Die Männer haben meine Brüste geheilt!“ findet sie.

P. berichtet: „Leider habe ich als Frau den immensen Haarwuchs meines Vaters geerbt. Schon in der Pubertät war es mir peinlich, dass ich ganz haarige Beine hatte, dicke Augenbrauen und auch im Gesicht wuchsen einzelne Barthaare. Später fand ich um die Brusthaare herum einzelne lange Haare, die ich immer auszupfe. Meine Enthaarungsangelegenheiten habe ich immer im Verborgenen gemacht und gehofft, dass ich nichts übersehen habe. Dann hatte ich Angst, dass mir mein Liebster über die Beine streichelt und die Stoppeln spürt. Nach dem Ausziehritual mit meinem Partner ist mir der Haarwuchs zwar immer noch unangenehm, aber ich muss mich jetzt nicht mehr so anstrengen, ihn zu verbergen. Und manchmal liege ich in den Armen meines Liebsten und er zupft mir die lästigen Gesichtshaare ganz liebevoll. Da habe ich sogar jetzt Arbeit gespart! Das ist etwas ganz Intimes zwischen uns, denn so nah darf mir sonst keiner kommen!“ 

V. berichtet in geschützter Frauenrunde, dass sie sich nicht traut, Sex von hinten zu haben und immer Ausreden sucht, wenn ihr Freund das vorschlägt. Der Grund, den der Freund vermutlich nicht erahnt, ist der, dass dann er nicht sehen soll, wie ihr Bauch dabei herunterhängt. Sie habe sich selbst schon öfter in dieser Position im Spiegel betrachtet und das hält sie einfach nicht aus.

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