Was wollt ihr denn hier?
Punkt neun der Auflistung lautete: Mit der „Geschichte Claudia“ in Frieden kommen. Jahrzehnte zuvor, am Polterabend vor meiner ersten Eheschließung stand sie mit ihrem Mann vor unserer Haustüre. Ich öffnete: „Was wollt Ihr denn hier? Ihr seid doch gar nicht eingeladen!“ Mein Mann erschien und schlichtete. Es waren Freunde von ihm, und selbstverständlich waren sie eingeladen gewesen. Aber ich erfreute mich an den verdutzten Gesichtern. Damit noch nicht genug. Als ich das mitgebrachte Geschenk auspackte – einen wunderschönen getöpferten Krug – rief ich laut und vernehmlich: „O nein, schon wieder so ein hässlicher Krug!“ Manchen Gästen stand die Peinlichkeit meiner Tat direkt ins Gesicht geschrieben, andere lachten, und ich weidete mich an der Macht meines ungehörigen Verhaltens…
Kein Licht, in das ich Jahre später bei meinen ausgiebigen Meditationen das Ereignis tauchen wollte, brachte die erhoffte Freiheit von meinen seither unguten Gefühlen, wann immer diese Erinnerung wieder auftauchte. Schließlich erkannte ich, dass so mancher Fehler nicht wegmeditiert werden kann, sondern aktiv berichtigt werden muss. Handeln war angesagt. Schritt für Schritt begann ich also, mein Sündenregister abzuarbeiten.
Noch ganz genau!
Bezüglich Claudia und ihrem Mann musste ich zunächst die aktuelle Adresse der beiden herausfinden. Dann dauerte es ein paar Tage, bis ich mir ein Herz gefasst hatte, dort tatsächlich anzurufen. Beide waren erstaunt, dass ich sie besuchen wollte, aber sie sagten zu. Mit einem wirklich riesengroßen Blumenstrauß betrat ich das Wohnzimmer, in dem zu meinem Schreck die ganze Familie versammelt war: Drei erwachsene Kinder samt Partnern genossen gerade das gemeinsame Abendessen bei ihren Eltern. Ich atmete tief durch und beschloss, mein Vorhaben dennoch wie geplant umzusetzen. Zuerst fragte ich Claudia, ob sie sich überhaupt noch an den besagten Polterabend erinnere. Ich dachte, die beiden hätten meine Beleidigungen sicher schon längst vergessen. Doch weit gefehlt. „Nein, das haben wir nicht vergessen“, betonten beide mit gerunzelter Stirn. „Daran können wir uns noch ganz genau erinnern!“ So blieb mir nichts anderes übrig, als das geöffnete Tor der Peinlichkeit genau so mutig zu durchschreiten wie damals das Tor der Gemeinheit. Vor der ganzen Familie erzählte ich, was geschehen war. Dann überreichte ich den Blumenstrauß: „Bis heute muss ich selbst auch immer wieder daran denken! Und wenn ich im Kaufhaus einkaufe und dich sehe, liebe Claudia, mache ich stets einen Bogen um dich herum. Ich bin heute gekommen, um mich für das, was ich euch angetan habe, aus tiefstem Herzen zu entschuldigen. Es tut mir leid. Dieser Blumenstrauß soll euch das zeigen!“ Tränen standen mir in den Augen.
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